Mieter in Blankenburger Siedlung gehen auf die Barrikaden: "Sauerei muss aufhören" Von OTZ-Redakteur Wolfgang Schombierski Bad Blankenburg. Im Haus Nummer 10 in der Hofgeismarer Straße, das zur Siedlung in Bad Blankenburg gehört, ist ein heftiger Streit ausgebrochen. Grund: Eine Mieterin im ersten Stock füttert regelmäßig an den Fensterbänken Vögel und soll dabei verwilderte Haustauben in Scharen anziehen. "Erst war es nur eine Futterstelle. Im Verlauf der vergangenen vier Monate kamen weitere über meiner Küche und meinem Schlafzimmer hinzu", entrüstete sich gestern Herbert Just. Er lebt mit seiner Mutter in der Wohnung darunter und muss mit ansehen, wie die Tiere die Futterreste verstreuen und insbesondere die Tauben ihren Kot auf seine Fensterbänke fallen lassen. "Der ist zum Teil sehr flüssig und spritzt auf Rahmen und Fensterscheiben", war Just außer sich. Er sieht sich als Hauptleidtragender dieser Fütterungsaktionen und will sich diese Zustände schon länger nicht mehr gefallen lassen. Aber auch andere gehen auf die Barrikaden. "Die Sauerei muss aufhören", forderten die Eheleute Günthner, die als eine von elf Mietparteien in Haus Nummer 10 wohnen. Martina Schlichter, die wie Just in der Parterre zu Hause ist, wetterte: "Meine Fenster sind regelmäßig von den Tieren verschmutzt. Wenn ich mein Wohnzimmerfenster aufmache, fliegt mir bei Wind der Dreck in die Wohnung." Um sich zur Wehr zu setzen, organisierte Just kürzlich zusammen mit einer anderen Mieterin eine Unterschriftensammlung. Das Schriftstück ging an die Vermieterin, die Wohnungsbaugesellschaft (WBG) Bad Blankenburg, die darin aufgefordert wurde, der ihnen unliebsamen Frau zu kündigen. "Seit Oktober ist unser Haus ein Taubenschlag", heißt es unter anderem in der Begründung. Just sah nach eigenen Angaben keine Basis dafür, mit der Mieterin ins Gespräch zu kommen. Vielmehr wandte er sich bereits im Oktober 2008 schriftlich an die WBG mit der Bitte, die untragbaren Zustände zu unterbinden. "Es hat nur Vertröstungen gegeben, geändert hat sich aber nichts", zürnte er. Der Mann ließ nicht locker und wandte sich in einem Schreiben im November an die Stadtverwaltung Bad Blankenburg. Darin formulierte er erneut seinen Unmut darüber, dass eine Mieterin der Meinung sei, verwilderte Haustauben füttern zu müssen. Dabei werde so viel Gefieder angezogen, dass ein Öffnen oder Kippen der Fenster unmöglich sei. Die Fütterung spiele sich zwischenzeitlich nicht mehr allein auf den Fensterbänken ab. Die in Misskredit geratene Mieterin soll ebenso Apfelstücke nachts auf die Wiese hinter das Haus geworfen haben. Für notleidende Tiere. Die Sorge bei Just und anderen Mietern: "Bei aller Liebe - dadurch werden auch Ratten angelockt." Auf Nachfrage bei der Stadtverwaltung Bad Blankenburg habe man ihm zwar signalisiert, sich der Angelegenheit anzunehmen. Trotzdem gehe das Füttern der Tiere unvermindert weiter. Just habe einen anderen Vorstoß beim Kontaktbereichsbeamten gemacht. In einem Gespräch sei erklärt worden, dass es sich hier um eine Ordnungswidrigkeit handele und nicht Sache der Polizei sei. Der Beamte habe zugesagt, mit der Stadt und der WBG zu sprechen. Von der Leiterin des Ordnungsamtes in Bad Blankenmburg, Jana Eckardt, hieß es, dass man an einer Lösung arbeite. Der Geschäftsführer der WBG, Michael Grund, machte gestern deutlich, dass er die Sorgen der Mieter im Haus 10 in der Hofgeismarer Straße sehr ernst nehme. Er habe die Frau, die die Vögel füttert, schriftlich im Januar aufgefordert, sofort das Auslegen von Nahrungsmitteln zu unterlassen. "Denn dadurch werden auch verwilderte Tauben angelockt, die gesetzlich nicht gefüttert werden dürfen", sagte er. Der Geschäftsführer schätze die Naturverbundenheit der Frau, die aber nicht zu Lasten anderer Mieter gehen dürfe. Er gehe davon aus, dass ein Einsehen kommen und mit Beginn des Frühlings ihr Füttern der Vögel unterbleiben werde. Die umstrittene Frau war zu keiner Stellungnahme bereit. "Ich beteilige mich nicht am Klatsch und Tratsch", ließ sie durch die geschlossene Haustür wissen. Für Mieterin Frieda Baumann steht indes fest, ihre Pflichten, die die Hausordnung von ihr fordert, nicht mehr so ernst zu nehmen. Als sie vor einiger Zeit mit ihrem "Dienst" dran war, fiel ihr am Kelleraufgang Taubenkot auf die Haare. "Wenn es hier keine Veränderungen gibt, rühre ich draußen keinen Finger mehr." |