Bad Blankenburg: Weihnachten im Ao Dei
Am Freitag feierten rund 120 Vietnamesen aus dem Kreis Saalfeld-Rudolstadt den Heiligabend im Vereinshaus Bad Blankenburg.

Bad Blankenburg.

Le Than hat sein halbes Leben in Deutschland verbracht. Ab 1973 studierte der heute 55-Jährige ein paar Jahre in der DDR, ging danach zurück in seine Heimat Vietnam, wo er in einem großen Betrieb als Kaderleiter arbeitete. 1987 packte er erneut seine Koffer. Diesmal führte ihn die Reise ins thüringische Rudolstadt, wo er im Chemiefaserkombinat (CFK) "Wilhelm Pieck" Schwarza einer von 300 vietnamesischen Vertragsarbeitern wurde, die in der DDR-Volkswirtschaft dort aushalfen, wo das Personal knapp wurde.

"Deutschland ist zu meiner zweiten Heimat geworden", sagt Le Than, der jetzt ein Textilgeschäft in Rudolstadt hat. Am Freitag feierte er erstmals gemeinsam mit 120 Landsleuten Weihnachten im Vereinshaus Bad Blankenburg.

Beim Betreten des Raumes stechen einem sofort die vielen bunten Gewänder ins Auge. Ao Dei nennt sich die Nationalkleidung der vietnamesischen Frauen. Die zumeist aus Seide maßgeschneiderten Kleider werden nur zu besonderen Anlässen getragen. Die Männer werden dem Anlass mit schwarzen oder grauen Anzügen gerecht, auch die Kinder sind festlich angezogen.

"Die meisten von uns betreiben ein Restaurant, ein Obst- und Gemüsegeschäft oder einen Textilladen", sagte Le Than. Fünf Jahre liefen die Verträge mit dem CFK, 1992 war für ihn Schluss. Wer hier bleiben wollte, musste sich nach einer neuen Arbeit umsehen. Für viele wurde es der Weg in die Selbstständigkeit, anfangs zumeist in der Gastronomie. 80 bis 90 Prozent der China-Restaurants im Osten waren in den 90-er Jahren in vietnamesischer Hand. "Wir hatten keine Erfahrungen und der Name China-Restaurant war in Europa eingeführt", sagt der Vater von zwei Kindern. Inzwischen heißen die meisten Asia-Restaurant, sind nach Mekong, Saigon oder Hanoi benannt.

Viele der Kinder, die im Bad Blankenburger Vereinshaus gerade ein vietnamesisches Weihnachtslied anstimmen, sind in Deutschland geboren. Sie sprechen zwei Sprachen, das Schreiben fällt ihnen auf Deutsch entschieden leichter. "Wir wollen, dass unsere Kinder auch die Muttersprache lernen und nicht vergessen, wo sie herkommen", sagt der Senior in der vietnamesischen Vereinigung Saalfeld-Rudolstadt, die die Feier ausrichtet. Damit die jungen Vietnamesen in Deutschland ihren Weg gehen, wird größter Wert auf Bildung gelegt. "Ab der fünften Klasse gehen alle unsere Kinder aufs Gymnasium", sagt Le Than voller Stolz.

Bei der Weihnachtsfeier, für deren Dekoration zwei Designstudentinnen aus den Reihen der Kreisvereinigung gesorgt haben, wechseln sich die Redner ab. Do Minh, der 42-jährige Vorsitzende der Vietnamesen im Landkreis, gedenkt der Verstorbenen und dankt allen, die für reich gedeckte Tische gesorgt haben. Frühlingsrollen, grüne Bananen, gewickeltes Schweinefleisch und Huhn, auch Pudding steht zum Verzehr bereit.

Dann gibt Manfred Kißauer, der mit einer Vietnamesin verheiratet ist, den Weihnachtsmann für die Kinder und Jugendlichen, die sich anschließend mit kulturellen und sportlichen Einlagen bedanken. Stürmisch wird jede Einlage beklatscht.

"Wir fühlen uns hier sehr wohl", sagt Le Than. Und nächstes Jahr, da wollen sie im Deutschen Krug feiern.


Thomas Spanier / 27.12.10 / OTZ
Quelle: rudolstadt.otz.de
27.12.2010
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letzte Aktualisierung: 27.12.2010
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