Fröbel-Bildungszentrum in Indien mit Hilfe von Spenden aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt kurz vor Einweihung
"Es war ein richtiger Gänsehaut-Moment, als ich heute die guten Nachrichten und die Bilder erhielt", strahlte Susanne Chmell. Noch etwas ungläubig schaut die Bad Blankenburger Projektleiterin auf die Bilder aus Indien, denn sie wirken auf sie wie ein verspätetes Weihnachtsgeschenk.

Bad Blankenburg.

Die vom 26. Februar bis 16. März 2011 nach Machilipatnam geplante Reise wird für sie und ihre elf Mitstreiter einen ganz besonderen Höhepunkt bereit halten. Denn vor Ort haben viele fleißige Hände dafür gesorgt, dass das Bildungszentrum, welches den Namen Friedrich Fröbels trägt, eingeweiht werden kann. Über 100 000 Euro wurden seit Beginn der Hilfsaktion dank Spenden von Bürgern aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt und der Unterstützung der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Blankenburg aufgebracht.

Eine Tsunami-Hilfsaktion im Februar 2005, welche den betroffenen Fischerdörfern an der Ostküste Indiens galt, hatte das Team auf viele verkrüppelte und verarmte Kinder auf den Straßen aufmerksam gemacht. Es erfuhr, dass viele der Betroffene von Banden für Bettelzwecke absichtlich verkrüppelt, im jungen Alter schon in die Prostitution verkauft oder durch ewige Armut an Brot und Bildung ihrer Jugend und Zukunft beraubt werden. Damals entstand der Kontakt mit Pastor Babu, der ein Waisenhaus mit 300 Kindern in Machilipatnam an der Ostküste Indiens leitet. Babu, der selber als Waisenkind von finnischen Missionaren von der Straße geholt und von ihnen aufgezogen worden war, begann vor über 30 Jahren, mit seiner Frau Kinder in seinem Haus aufzunehmen, um die sich sonst niemand kümmert. Seither sind mehr als 3000 Kinder von ihnen groß gezogen worden, davon die ersten Jahre ohne jegliche Unterstützung.

Das über die Jahre entstandene Fröbelzentrum an der Ostküste Indiens ist ein Hilfsprojekt für diejenigen, bei denen die Not am größten ist. Erstmals bietet es den Kindern die reelle Chance auf ein neues Leben. Gleichzeitig soll dieser Neubau den Erwachsenen die Möglichkeit gewähren, sich weiterzubilden und notwendige praktische Hilfe in den Dingen des Lebens zu erfahren, zum Beispiel Kindergärtnerinnen-Ausbildung oder Ehe- und Familienberatung. Einmal im Jahr reist ein tatkräftiges Team aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt nach Machilipatnam, um vor Ort mitzuhelfen und sich von den Fortschritten des Projektes zu überzeugen. Ein weiterer Grund ist die Pflege der entstandenen Partnerschaften. "Ich bin richtig froh, dass es für die Kinder im Alter von vier bis 16 Jahren eine Perspektive gibt. Mit der Eröffnung ist wieder ein weiterer großer Meilenstein auf der Strecke geschafft. Da wächst die Motivation weiterzumachen enorm", sagt Susanne Chmell. "Zwei verschiedene Schulen, eine englische Mittelschule, die höheren Ansprüchen genügt, sowie eine Schule, die mit unserer Grund- und Regelschule vergleichbar ist, befinden sich auf dem Gelände", führt die Projektleiterin weiter aus. Neu für sie ist, dass zur bevorstehenden Einweihung die neue Schulkleidung, welche durch Patenschaften ermöglicht wurde, als Dank an die Helfer aus Deutschland ein kleines schwarz-rot-goldenes Symbol ziert.

Die Bad Blankenburger Buchhändlerin hat aber noch eine weitere Überraschung in petto. Während eines ihrer Vorträge in Erfurt wurden die Geschäftsführer einer Solarfirma auf das Projekt aufmerksam. Diese waren so angetan von der Aktion, dass sie sich bereit erklärten zu prüfen, ob das Dach des Zentrums für die Technik geeignet ist. Davon wollen sie sich mit ihren Familien und der Bad Blankenburgerin im Oktober des kommenden Jahres vor Ort nun selbst ein Bild machen. "Wenn es technisch nicht machbar ist, haben wir die Zusage, dass wir eine Spende in der Größenordnung der benötigten Mittel erhalten", freut sich Chmell. Nachlassen wolle man bei den Aktivitäten nicht, denn momentan lernen die Kinder noch auf dem Fußboden. Neben den fehlenden Schulbänken liege bei den sanitären Einrichtungen sowie der Elektrik noch vieles im Argen. Aber der Anfang sei gemacht, und darauf dürften alle, die sich bisher in das Projekt eingebracht haben, mit Recht stolz sein.

"Wanda Namulu" (vielen Dank) würde man in der Muttersprache (Telegu) der Menschen in Machilipatnam sagen. Und die zwei Worte ziehen sich auch wie ein roter Faden durch die Post aus Indien.


Roberto Burian / 30.12.10 / OTZ
Quelle: rudolstadt.otz.de
30.12.2010
Winterdienst geht im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt an seine GrenzenBad Blankenburg aktuell1900 Besucher bei Weihnachtstanz in Bad Blankenburg
DruckenFehler entdeckt?StartseiteKontaktzurück
Seiteninformationen
letzte Aktualisierung: 30.12.2010
URL: http://www.bad-blankenburg.de/?eid=1580