Jugendliche in Bad Blankenburg im Gespräch über Fastenaktion der evangelischen Kirche Von Roberto Burian Bad Blankenburg (OTZ). Stollen, Weihnachtsplätzchen, Gänsebraten, Silvesterkarpfen, Faschingskrapfen und dann ab Aschermittwoch: fasten, sieben Wochen. Für so manchen nur schwer vorstellbar. Andererseits: abspecken, Ballast abwerfen, mit Leib und Seele gebündelt an Ostern ankommen. Das ist eine Erfahrung, die mancher sicher gerne einmal machen möchte. Mitten hinein in diese Gedanken platzt das Motto der diesjährigen Fastenaktion der evangelischen Kirche: "Verschwendung! Sieben Wochen ohne Geiz". Die meisten fasten in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern und verzichten wohl auf Süßigkeiten, Fernsehen oder Alkohol. Warum aber sollten sie Geiz fasten? Und wie haben die Christen den Aufruf ihrer Kirche zur Verschwendung wirklich zu verstehen? Darüber machten sich am Freitagabend Jugendliche der jungen Gemeinde (JG) im Gemeindehaus der Kurstadt ihre eigenen Gedanken. ",Geiz ist geil´ ist heute in vielen Bereichen gesellschaftsfähig geworden. Er führt in die geistige Verarmung. Beim Fasten geht es ja um ein Stück Lebensgewinn. Das kann ich nicht nur durch Verzicht erreichen, sondern auch durch Verschwendung. Zum Beispiel, indem ich verschwenderisch mit Mitmenschlichkeit, mit Zeit oder mit Zuwendung umgehe", betonte die Leiterin der JG, Susanne Chmell. Konkrete Pläne, womit er anfangen will, hat Matthias aus der Kurstadt bereits. "Ich möchte mich weniger der Reizüberflutung durch Fernsehen oder Computer aussetzen und öfter mal den Weg in die Natur suchen, um mich auch ein Stück selbst zu finden , hat sich der 23-Jährige vorgenommen. Clara (16) hat bereits im vergangenen Jahr gefastet und dabei festgestellt, dass "man teilweise von Dingen abhängig ist, die man eigentlich gar nicht braucht". Freundlichkeit vermitteln, ein gutes Wort haben für die Familie und gemeinsame Unternehmungen nennt Maria als ein Ziel. Auch Lydia (17) will mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen. Für Daniel sei es dagegen wichtig, dass er von seinen Zwängen wie etwa den Genuss von Nikotin wegkommt. "Ich werde 2008 wieder beim humanitären Einsatz in Indien dabei sein und darauf freue ich mich schon sehr , so der 27-Jährige. Gabriel aus Unterwirbach, der zurzeit seinen Wehrdienst ableistet, möchte seine eingeschränkte Freizeit perspektivisch sinnvoller nutzen. Besonders bei seinem Hobby Auto fahren will der 19-Jährige nach eigener Aussage öfter mal "auf die Bremse treten". Oftmals fahre er aus Langeweile sinnlos durch die Gegend und damit soll Schluss sein. Maximilian (14) aus Königsee will das Chatten am Computer verstärkt durch das persönliche Gespräch ersetzen und Syrka (14) aus Döschnitz möchte die eine oder andere Party ausfallen lassen, weil sie findet, dass man auch ohne Alkohol Spaß haben kann. Und so lautete ein Fazit der Teilnehmer nach den drei Stunden, Zeit, Liebe, Lob, Gastfreundschaft und Zuneigung an Mitmenschen zu verschenken und so den Blick für das Wesentliche zu stärken. Gezielt wolle man in den nächsten Wochen Menschen aufsuchen, bei denen Gesprächsbedarf besteht wie im Altenheim. Aber auch untereinander wolle man ohne Handy und andere Gegenstände der modernen Kommunikation verstärkt das Gespräch von Mensch zu Mensch suchen, denn eine seelische Reinigung benötigt keine Nulldiät, sondern vielmehr die Abkehr von lieb gewonnenen Gewohnheiten am besten über den Ostersonntag hinaus.Beim Fasten geht es ja um ein Stück Lebensgewinn. Susanne Chmell, Leiterin der Jungen Gemeinde in Bad Blankenburg |