Der (Bad) Blankenburger Bahnhof
Das Bahnhofsgebäude in Blankenburg 1895. 1912 wurde es umgebaut und vergrößert.Das Bahnhofsgebäude in Blankenburg 1895. 1912 wurde es umgebaut und vergrößert.
Einen Bahnhof in (Bad) Blankenburg gibt es seit 1884. In diesem Jahr wurde die Stichbahn Schwarza - Blankenburg durch die Saal-Eisenbahn-Gesellschaft eröffnet. Diese Gesellschaft baute bereits die Saalebahn und war bestrebt ihr Einzugsgebiet zu erweitern. Von der Saalbahn stammt auch das erste Empfangsgebäude des Bahnhofes. Es war eine ausrangierte schlichte Baracke, die aus Rothenstein umgesetzt wurde. Blankenburg war vorerst Endstation. Eine geplante Verlängerung nach Ohrdruf kam erst einmal nicht in Betracht. Die Kehranlage befand ich auf dem heutigen Bahnhofsvorplatz (siehe Bild) und die Gleise endeten vor der Mühllache. Immerhin bestand schon zu diesem Zeitpunkt der Bahnhof neben dem Empfangsgebäude aus einem Güterschuppen, einem Lokschuppen aus Holz, einer Centesimalwaage und einer Abortanlage. Der Güterschuppen (Saalfeld) und die Abortanlage (Rothenstein) stammten ebenfalls von der Saalebahn.

Eine Veränderung erfolgte dann im Jahr 1895 mit der Eröffnung der Bahnlinie Arnstadt - Saalfeld. Aus dieser Zeit stammt das heutige Bahnhofsgebäude. Zumindest der mittlere Trakt. Die westlichen und östlichen Anbauten waren erdgeschossig gebaut und wurden erst in der Folgezeit um ein Stockwerk erweitert. Um Grundstücksfragen und schon erfolgte Bebauungen zu umgehen wurde die Trasse südlich der Schwarzaer Linie gelegt, so dass das Gleis über die Lache- und Schwarzabrücke und dem uns bekannten Bahndamm Richtung (Ober)rottenbach verlaufen konnte. Die Strecke Schwarza - Blankenburg wurde spätestens mit Eröffnung der Schwarzatalbahn an die Arnstädter Linie angebunden, da Züge von Rudolstadt über Blankenburg nach Katzhütte durchgebunden wurden. Durch die höhere Lage der Saalfeld-Arnstädter Bahn, hatte dies eine Änderung der Gleisanordnung am Bahnhof zur Folge. Der Bahnsteig der Schwarzaer Bahn, der sich bis zu dieser Zeit direkt am Bahnhofsgebäude befand, wurde verlegt und das Gleis fädelte auf Höhe des Wirbacher Wegs (nach Bau der Siedlung Wirbacher Straße) in die Saalfeld-Arnstädter Linie ein. Die nicht mehr benötigten Gleise der Kehranlage wurden abgebaut und es entstand auf dem jetzt freien Bahnhofsvorplatz ein Pavillon mit Geschäften. Später auch ein Friseur.
Die Gleisanlagen der Schwarza-Blankenburger Stichbahn mit der Kehranlage im Vordergrund um 1897.
Die Gleisanlagen der Schwarza-Blankenburger Stichbahn mit der Kehranlage im Vordergrund um 1897.
Die gleiche Perspektive im Jahr 2014. Da wo die Gleisanlagen waren, ist jetzt der Bahnhofsvorplatz. - Bildautor: Matthias Pihan, 25.02.2014
Die gleiche Perspektive im Jahr 2014. Da wo die Gleisanlagen waren, ist jetzt der Bahnhofsvorplatz.
Insgesamt bestand der Bahnhof aus 3 Bahnsteigen mit 5 Gleisen, wobei der mittlere Bahnsteig überdacht und mit einem zusätzlichen Warteraum ausgestattet wurde. 3 Stellwerke, ein Wasserturm, 2 Lokschuppen mit Drehscheibe u.a. waren weitere Zeichen eines belebtes Bahnhofsleben. Güteranlagen in Richtung Saalfeld und Anschlussbahnen an die umliegenden Betriebe kamen durch die zunehmende Industrialisierung noch hinzu.
Das Bahnhofsgebäude 2014 - Bildautor: Matthias Pihan, 25.02.2014Das Bahnhofsgebäude 2014
In dieser Form bestand der Bahnhof viele Jahre. Mit der politischen Wende 1989 und der Stilllegung der Bahnlinie nach Schwarza im Jahr 2000 ging die Betriebsamkeit des Bahnhofs spürbar zurück. Heute besteht nur noch das Durchgangs- und Kreuzungsgleis der Bahnlinie Arnstadt-Saalfeld und ein Stellwerk. Das Bahnhofsgebäude ist in privater Hand und wird von einer Gaststätte und einem Café bewirtschaftet.

Matthias Pihan, 02.03.2014

Quelle: Werner - Drescher: Die Saal-Eisenbahn und ihre Anschlussbahnen