Prof. Dr. Otto Schmiedeknecht
Prof. Dr. Otto Schmiedeknecht
(1847 - 1936)

Lehrer, Hymenopterologe


- geboren am 08.09.1847 in Bad Blankenburg

- 1877 Promotion in Jena bei Ernst Haeckel zur Hymenopteren-Gattung Bombus (Hummeln)

- 1903 Kustos am Fürstlichen Naturalienkabinett zu Rudolstadt

- 08.09.1927 Ehrenbürgerwürde der Stadt Bad Blankenburg

- gestorben am 11.02.1936 in seiner Wohnung in Bad Blankenburg, Schwarzburger Straße
Am 08. September 1847 wurde Otto Schmiedeknecht in Blankenburg geboren. Sein Vater, Johann Friedrich Schmiedeknecht, war Schulrektor und nahm den Sohn schon frühzeitig zu Tierbeobachtungen mit. Durch eine Versetzung des Vaters verbrachte Otto Schmiedeknecht seine Kindheit in Stadtilm.

Seit dem Jahre 1861 besuchte er das Gymnasium in Rudolstadt und freundete sich dort mit dem Naturkundelehrer Professor Speerschneider an, in dem er innerhalb der eher philologisch orientierten Lehranstalt einen Gleichinteressierten fand. Nachdem er in Rudolstadt sein Abitur abgelegt hatte, begann Schmiedeknecht im Sommersemester 1868 an der Universität Göttingen Naturwissenschaften und neuere Sprachen zu studieren. Mit Ausbruch des deutsch-französischen Krieges 1870 trat er als Freiwilliger in das 56. Infanterie-Regiment Göttingen ein. Die Kampfhandlungen überstand er unversehrt, kehrte heim und beendete sein Studium ohne Abschluss.

Anfang 1872 erhielt Schmiedeknecht eine Stelle als Lehrer für Naturgeschichte und neuere Sprachen in der Lehr- und Erziehungsanstalt Gumperda bei Kahla. Hier begann er mit seiner wissenschaftlichen Arbeit und der Beschäftigung mit Hymenopteren (Hautflüglern).

In Jena lernte er Haeckel kennen, bei dem er 1877 mit einer Arbeit zur Hymenopteren-Gattung Bombus zum Doctor philosophiae promovierte. Ein Jahr später heiratete er seine Frau Hede und zog 1888 gemeinsam mit ihr und der inzwischen geborenen Tochter nach Blankenburg. Nun bestritt er seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von selbst gesammelten, präparierten und bestimmten Insekten. Otto Schmiedeknecht war gesellschaftlich rege tätig. So gehörte er 1880 zu den Gründungsmitgliedern des Thüringer Entomologen-Vereins und stand diesem viele Jahre vor. Außerdem war er Ehrenmitglied der deutschen entomologischen Gesellschaft, der Burggemeinde Greifenstein e. V. und des Thüringerwald-Vereins.

Beeindruckend sind die vielen Reisen, die der Forscher unternommen hat: Hier spielte der Erzherzog Ludwig Salvator von Österreich eine große Rolle, der ihn u. a. auf die Balearen und die ionische Insel Zante einlud. Schmiedeknecht besuchte vor allem den Mittelmeerraum, Nordafrika und den Nahen Osten (Jericho). 1890 bereiste er als Leiter einer Entomologengruppe Ägypten und Palästina. Im Winter 1902/03 führte ihn eine größere Unternehmung nach Java in Südostasien, wo er sich erstmals in den Tropen aufhielt.
Professor Dr. Otto Schmiedeknecht gewidmeter Bereich des Ehrenbürgerkabinetts im Rathaus - Bildautor: Matthias Pihan, 04.05.2015Professor Dr. Otto Schmiedeknecht gewidmeter Bereich des Ehrenbürgerkabinetts im Rathaus
Nachdem sein langjähriger Freund Professor Dr. Julius Speerschneider 1903 verstorben war, wurde Dr. Schmiedeknecht dessen Nachfolger im Amt des Kustos des Fürstlichen Naturalienkabinetts zu Rudolstadt (heute Naturkundemuseum im Thüringer Landesmuseum Heidecksburg). Gleichzeitig verlieh ihm Fürst Günther von Schwarzburg-Rudolstadt den Professorentitel. Während des Ersten Weltkrieges rückte die Forschungstätigkeit in den Hintergrund, stattdessen wurde Professor Schmiedeknecht mit eher wirtschaftlich motivierten Untersuchungen und Gutachten beauftragt.

In Würdigung seiner wissenschaftlichen Leistungen auch auf dem Gebiet der Heimatkunde, verlieh ihm die Stadt Bad Blankenburg anlässlich seines 80. Geburtstages am 08. September 1927 das Ehrenbürgerrecht.

Am 11. Februar 1936 starb Professor Dr. Otto Schmiedeknecht in seinem Wohnhaus Schwarzburger Straße Nr. 5. Er hinterließ der Nachwelt eine große Zahl an naturwissenschaftlichen Publikationen und Präparaten. Zu letzteren gehören auch Teile seiner Sammlung, die das Naturkundemuseum Rudolstadt im Winter 1918/19 käuflich von ihm erwerben konnte

Stellvertretend für den großen Umfang der von Schmiedeknecht publizierten Literatur sollen an dieser Stelle einige wichtige Ausgaben genannt werden: Sein Lebenswerk war die Behandlung der Schlupfwespen in dem etwa 45 Hefte mit insgesamt 5516 Seiten umfassenden "Opuscula Ichneumologica", das er von 1902 bis 1927 mit Beihilfe des Königlich Preußischen Ministeriums für Landwirtschaft und Forsten herausgab. Im Gustav-Fischer-Verlag Jena erschienen im Jahre 1907 "Die Wirbeltiere Europas mit Berücksichtigung der Faunen von Vorderasien und Nordafrika" und "Die Hymenopteren Mitteleuropas". 1909 erschien in Brüssel das von Professor Wytsman herausgegebene dreibändige Werk "Genera Insectorum", von dem Schmiedeknecht einen Teil verfaßt und in das er selbst gezeichnete Karten eingefügt hatte. Die Kapitel Flora und Fauna behandelte er in "Junk´s Naturführer Thüringen", der 1927 erschien.

Text: Rainer Kreidel